Gelesen – März 2019

  • Stieg Larsson: The Girl with the Dragon Tattoo (Kindle). Fertig gelesen. (Mehr Infos siehe Leseliste Februar)
  • James Abel: Ice Trap (Kindle). 2015 auf Deutsch erschienen. Spannender Thriller, der sich sehr gut aufbaut. Die Auflösung erscheint dann etwas unvermittelt und aufgesetzt, tut den 95% Buch davor jedoch keinen Abbruch. Gut zu lesen, wenn auch die Grundidee, die sich in der Auflösung andeutet, interessanter hätte aufbereitet werden können. Keine überraschenden Wendungen, wenig Witz; der Protagonist bleibt ein wenig schablonenhaft und taugt nicht wirklich zur Identifikationsfigur. James Abel ist übrigens das Pseudonym des amerikanischen Thrillerautors R. Scott Reiss.
  • Caroline Criado-Perez: The deadly truth about a world built for men – from stab vests to car crashes (theguardian.com, 23.2.2019). Ist ja schon länger bekannt, dass viele Alltagsdinge in erster Linie für Männer designt und an Männern getestet werden. Criado-Perez listet auf, wo diese Gewohnheit für Frauen (lebens)gefährlich werden kann: Arbeitsplätze sind zu kalt, weil Temperaturfestlegungen auf den Stoffwechsel von Männern abzielen. Ursachen für erhöhte Krebsraten bei Frauen (z.B. Brustkrebs) sowie die Auswirkungen von Chemikalien in frauenspezifischen Berufen werden nicht oder kaum untersucht. Frauen in Bauberufen verletzten sich häufiger, weil Standard-Werkzeuge und Baumaterialien zu groß, unhandlich und schwer sind. Schutzkleidung ist häufig unpassend und passt Frauen nicht richtig (sie brauchen wegen anderer Proportionen andere Kleidung, nicht einfach nur „eine Nummer kleiner“). Schlecht sitzende Schutzkleidung ist ein Gesundheitsrisiko. Viele Produkte sind in der Handhabung für Frauen schwieriger: Werkzeuge sind zu groß, ebenso wie Smartphones, Spracherkennungssoftware „versteht“ männliche Sprecher besser als weibliche, Fitnesstracker unterschätzen die Schrittzahl bei Hausarbeit und Gesundheitsapps berücksichtigen nicht die Periode, Frauen haben ein höheres Risiko, bei eienm Autounfall schwer verletzt zu werden, weilc die Architektur auf männliche Fahrer abgestimmt ist. Trotzdem zahlen Frauen dieselben Preise für unpassende Geräte wie Männer. Fair? – „When Apple launched their AI, Siri, users in the US found that she (ironically) could find prostitutes and Viagra suppliers, but not abortion providers. Siri could help you if you’d had a heart attack, but if you told her you’d been raped, she replied “I don’t know what you mean by ‘I was raped.’” (…) Designers may believe they are making products for everyone, but in reality they are mainly making them for men. It’s time to start designing women in.“
  • Clara Hellner: Männer sind halt keine Patientinnen (zeit.de, 25.2.2018). Ähnliches gilt für den Gesundheitsbereich, vor allem für Medikamente. Hier werden nicht nur Frauen, sondern auch Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen systematisch von Testverfahren ausgeschlossen und erhalten daher häufig unpassende Arten und Mengen von Medikamenten. Dies kann im schlimmsten Fall die Sterblichkeit von Frauen bei bestimmten Krankheitsbildern oder Behandlungen erhöhen.
  • Dinah Riese: Interview mit Ferda Ataman – „Wir messen mit zweierlei Maß“ (taz.de, 14.3.2019). Interview mit der Journalistin und Kolumnistin über Rassismus und ihr Buch Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!: „Die meisten Menschen denken von sich, dass sie nichts Böses tun. Und Rassismus gilt als böse. Eine vermeintlich harmlose Frage damit in Verbindung zu bringen ist unangenehm. Aber niemand hat gesagt, dass man nichts mehr fragen darf. Dass man ein bisschen sensibler sein sollte, ist aber nicht zu viel verlangt. (…) Man sollte sich bewusst machen, warum man diese Frage manchen Menschen nie stellt und anderen immer. Meine Schwiegermutter heißt Brigitte und wird nie gefragt. Dabei hat sie, die Wurzeldeutsche in der Familie, eine schlesische Migrationsgeschichte und sogar Fluchterfahrung. Ich werde ständig gefragt, obwohl ich keine eigene Migrationserfahrung habe. (…) Viele glauben, die Herkunft eines Menschen hätte Aussagekraft über die Person. Es gibt eine regelrechte Wurzelbesessenheit: Nenn mir deine Wurzeln, und ich sag dir, wer du bist. (…) Wir sind heute ein Einwanderungsland, aber wir haben es noch nicht verstanden. (…) Die Integrationsdebatte in Deutschland ist völlig verlogen. Es interessiert uns nur, wo die Integration gescheitert ist. Wir haben auch nie geklärt, ab wann sie gelungen und abgehakt ist – weil sie es offenbar nie ist. Migranten und Mi­gran­ti­sier­te stehen in der ewigen Bringschuld, ebenso ihre Kinder und Enkel. (…) gut laufende Integration baut Rassismus leider nicht ab, sondern befördert ihn sogar: Viele fühlen sich erst „überfremdet“, seit Fatma und Ali nicht mehr als Putzfrau und Müllmann arbeiten, sondern Lehrer werden oder in die Chefetagen schielen. (…) Wir führen eine Verteilungsdebatte. Die Kinder von Migranten, die eigentlich Niedriglohnjobs machen sollten, konkurrieren jetzt mit den Wurzeldeutschen auch um die guten Jobs. Und sie reden mit in öffentlichen Debatten. (…) Wir messen mit zweierlei Maß. Wenn Wurzeldeutsche die AfD wählen, sind sie besorgte Bürger*innen – wenn Mesut Özil Erdoğan huldigt, ist er schlecht integriert und illoyal. (…) Unser Sozialstaat wäre ohne Migration nicht denkbar. Ich fände es gut, wenn es das politische Signal gäbe: Migration gehört zu uns, und wir sind dankbar für das, was Migranten leisten. Ich will ein einziges Mal hören, dass meine Eltern nicht nur ein Problem sind. Sondern dass sie dieses Land mit aufgebaut haben.“
  • Thomas Böhm: Interview mit Hanya Yanagihara – „Die Frage unseres Lebens ist die nach gemeinsamen Werten“ (rbb24.de, 8.3.2019). interview mit der US-amerikanischen Journalistin und Schriftstellerin anlässlich einer Lesung aus ihrem Roman „Das Volk der Bäume“ in Berlin: „Es gehört zu den Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft, dass man mehr und mehr mit Menschen zu tun hat, die völlig anders denken als man selbst. Menschen, die sogar Dinge, die man für selbstverständlich, unhinterfragbar gehalten hat, ganz anders sehen. Das macht uns unsicher, treibt uns in die Defensive. Die Frage ist doch: Gibt es absolute Werte, Tabus, die alle Menschen teilen? Vielleicht gibt es eines: den Mord. Aber vielleicht nicht einmal das. Es gibt in den unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Motive, unterschiedliche Rechtfertigungen für Mord. Und damit wird die Frage beängstigend. Wenn es nichts gibt, was alle Menschen teilen, in Form eines gemeinsamen Wertesystems oder einer moralischen Struktur, wie verhalten wir uns dann zueinander? Ich denke, das ist die Frage unseres Lebens. (…) Eine Erfahrung, die ich im Laufe der Jahre gewonnen habe, und die sich auf alle Künste übertragen lässt, ist: Ich möchte zu einer Reaktion provoziert werden. Nicht um der bloßen Provokation willen. Ein Kunstwerk sollte Ideen enthalten, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Man muss das Kunstwerk nicht mögen. Wenn es irgendetwas infrage stellt, dessen man sich vorher sicher war, dann erfüllt es schon seine Aufgabe. Das größte Kompliment für mich wäre, wenn ein Leser sagt: Er weiß nicht, was er von dem Buch halten soll. Wenn das Buch eine Verunsicherung auslöst.“
  • Nora Roberts: Die falsche Tochter. (Aus der Bücherbox.) 2005 auf Deutsch erschienener typischer Nora Roberts-Roman: Ein bisschen Liebe, ein bisschen Krimi, nett zu lesen und keine totale Beleidigung des eigenen Verstandes, wenn ich bei ihr auch immer ein wenig mit den Frauenfiguren hadere. Perfekte Urlaubslektüre.
  • Twitter-Thread über Badewannentabletts, initiiert von @doodlyroses – Wir haben bisher alle falsch gebadet…
  • Rennie Airth: Totengedenken (Kindle). Teil 3 aus der John Madden-Serie. Sehr spannend geschrieben, eine gut konstruierte Geschichte mit glaubhaft gezeichneten Figuren, die teilweise fast ein wenig zu modern wirken.
  • M. Agejew: Roman mit Kokain (Kindle). M. Agejew ist das Pseudonym von Mark Lasarewitsch Levi (1898-1973). Der „Roman mit Kokain“ erschien zunächst 1934 in 17 Folgen in einer Wochenzeitschrift. 1936 folgte in Kleinstauflage von 400 Stück die Buchausgabe, die 1983 neu aufgelegt wurde. Die französische Ausgabe wurde zum Bestseller, der Roman wurde in mehrere Dutzend Sprachen übersetzt. Weder seine Familie noch seine Kollegen erfuhren zu seinen Lebzeiten von seinen literarischen Werken, die er unter Pseudonym veröffentlichte. „Roman mit Kokain“ schildert das Leben und Denken eines Gymnasiasten und später Studenten und greift philosophische, psychologische und weltanschauliche Fragen auf. Sexuelle Abenteuer und der Konsum von Kokain werden anschaulich geschildert. Es ist zu vermuten, dass der Text stark autobiographische Züge trägt.

Filme

  • Russell O. Bush: Vultures of Tibet (2012, 21 min; vimeo.com). „VULTURES OF TIBET explores the recent commercialization of a sacred Tibetan funeral tradition known as Sky Burial. In Sky Burial, Tibetans ritually feed the bodies of their dead to wild Griffon Vultures as an offering to benefit other living beings. With the modernization of Western China and the expansion of tourism in Tibet, burial sites are now highlighted on tourist maps and local officials charge visitors admission to view the private ritual. Against the will of affected families, visitors take photos and video, often posting them online. Filmed in August, 2011, when regional tensions became so unbearable that scores of Tibetans began setting themselves on fire; VULTURES OF TIBET reveals the current state of Sky Burial as an anecdote of the larger ideological issues in Tibet today. Exposing a world in which nature and culture, humans and animals, spirituality and politics are all interconnected, VULTURES OF TIBET engages audiences with the potential for oppression in the act of looking.“ (vulturesoftibet.com)
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